Willkommen bei Astronomie Oberpfalz – einer privaten Plattform rund um Astronomie und Himmelsbeobachtung in unserer Region.
Hier findest du aktuelle Informationen zum Sternenhimmel, Veranstaltungen der Oberpfälzer Sternwarten und Planetarien sowie Neues aus Astronomie und Forschung. Dazu kommen eigene Beobachtungen, Astrofotografie, Sonnenbeobachtung und praktische Projekte aus der Amateurastronomie.
Astronomie Oberpfalz verbindet regionale Astronomie mit dem Blick ins Universum – vom Beobachtungsabend vor der Haustür bis zu aktuellen Entdeckungen aus der Forschung.
neue Astrobilder
messier 13 l120 min rgb min
Messier 13 mit einer Belichtungszeit von L 120 Min RGB 60 Min Optik: 12" Newton f4
Jupiter am 09.02.2025 Optik: 7" Skywatcher Maksutov
Sonne am 02. Mai 2026
Sonne am 02. Mai 2026 in verschiedenen Wellenlängen.
Es wurden folgende Optiken verwendet: Continuum 80 mm APO mit Herschelkeil, Calcium und H-Beta 80 mm APO mit einem Spectroheliographen, H-Alpha 40 mm Acuter
Sonne am 02. Mai 2026 in verschiedenen Wellenlängen.
Es wurden folgende Optiken verwendet: Continuum 80 mm APO mit Herschelkeil, Calcium und H-Beta 80 mm APO mit einem Spectroheliographen, H-Alpha 40 mm Acuter
Bildtafel Sonne vom 27.02.26 bis 07.03.26
Optik: Acuter Elite Phönix, 40mm Öffnung jeweils 30% von 1000 Bildern mit Autostakkert gemittelt
Diese Aufnahmeserie zeigt die Sonne im H-Alpha-Licht über einen Zeitraum von neun Tagen. Deutlich sichtbar ist die Rotation der Sonne: Eine aktive Region wandert vom linken Sonnenrand über die Scheibenmitte bis in Richtung Westrand.
Optik: Acuter Elite Phönix, 40mm Öffnung jeweils 30% von 1000 Bildern mit Autostakkert gemittelt
Diese Aufnahmeserie zeigt die Sonne im H-Alpha-Licht über einen Zeitraum von neun Tagen. Deutlich sichtbar ist die Rotation der Sonne: Eine aktive Region wandert vom linken Sonnenrand über die Scheibenmitte bis in Richtung Westrand.
Sonne vom 15.02.2026
Aufnahmeoptik: H-Alphateleskop Acuter Elite Phönix 300 Bilder aus 1000 Bildern mit Autostakkert gemittelt
Saturn in Opposition, Mars in der Praesepe und die Orioniden prägen den Oktoberhimmel. In der Oberpfalz startet das grenzüberschreitende Projekt SKYWAY, während Sternwarten und Planetarien zu Kursen und Vorträgen einladen. Der Forschungsüberblick führt von Saturns Südpol bis zur Entstehung von Magnetaren und zur frühen Geschichte der Milchstraße.
Der Monat auf einen Blick
4. Oktober: Saturn in Opposition
10. Oktober: Neumond um 17:50 Uhr MESZ
11./12. Oktober: Mars zieht durch M 44
21./22. Oktober: Maximum der Orioniden
25. Oktober: Ende der Sommerzeit
Sternenhimmel
Der Sternenhimmel im Oktober 2026
NGC 891 im Sternbild Andromeda: Die nahezu von der Kante gesehene Spiralgalaxie zeigt ein markantes Staubband und feine Strukturen oberhalb der Scheibenebene. Bild: ESA/Hubble & NASA; Acknowledgement: Nick Rose. Lizenz: CC BY 4.0. Quelle: ESA/Hubble.
Saturn bestimmt den Planetenhimmel im Oktober. Der Ringplanet erreicht gleich zu Monatsbeginn seine Opposition und bleibt damit fast die gesamte Nacht sichtbar. Doch auch abseits des auffälligsten Planeten lohnt der Blick nach oben: Mars zieht durch den Sternhaufen Praesepe, der Kleinplanet Vesta erreicht eine besonders günstige Opposition, die Orioniden bringen schnelle Meteore hervor und mit NGC 891 steht eine eindrucksvolle Galaxie fast senkrecht über der Oberpfalz. Gleichzeitig werden die Nächte deutlich länger – und am 25. Oktober endet die Sommerzeit.
Längere Nächte und eine Stunde Zeitgewinn
Im Laufe des Oktobers verschiebt sich der Beginn der Dunkelheit spürbar nach vorn. In Weiden geht die Sonne am 1. Oktober gegen 18:50 Uhr MESZ unter; astronomisch dunkel wird es etwa um 20:37 Uhr. Zur Monatsmitte erfolgt der Sonnenuntergang bereits gegen 18:21 Uhr MESZ, die astronomische Nacht beginnt ungefähr um 20:07 Uhr. Am 31. Oktober steht die Uhr wieder auf Normalzeit: Dann geht die Sonne schon gegen 16:51 Uhr MEZ unter und die vollständige Dunkelheit setzt etwa um 18:39 Uhr ein.
Die Sommerzeit endet am Sonntag, dem 25. Oktober. Um 3 Uhr MESZ wird die Uhr auf 2 Uhr MEZ zurückgestellt. Bei astronomischen Zeitangaben ist deshalb genau auf die verwendete Zeitzone zu achten. Das Kosmos Himmelsjahr führt seine Tabellen ganzjährig in MEZ; für Termine vor der Umstellung muss zur tatsächlich geltenden Sommerzeit eine Stunde addiert werden.
Das letzte Viertel wird am 3. Oktober um 15:25 Uhr MESZ erreicht. Neumond ist am 10. Oktober um 17:50 Uhr MESZ, das erste Viertel am 18. Oktober gegen 18:12 Uhr MESZ. Der Vollmond folgt nach der Zeitumstellung am 26. Oktober um 5:12 Uhr MEZ. Besonders gute Bedingungen für lichtschwache Deep-Sky-Objekte bieten damit die Nächte um den 10. Oktober.
Saturn steht der Sonne gegenüber
Am 4. Oktober erreicht Saturn seine Opposition. Erde, Sonne und Saturn stehen dann annähernd auf einer Linie, wobei sich die Erde zwischen Sonne und Ringplanet befindet. Saturn geht deshalb etwa bei Sonnenuntergang auf, erreicht um Mitternacht seine höchste Stellung und verschwindet erst am Morgen wieder unter dem Horizont. Für Weiden ergibt sich am Oppositionstag ein Aufgang gegen 18:51 Uhr MESZ. Die Kulmination erfolgt ungefähr um 1 Uhr MESZ in rund 42 Grad Höhe, der Untergang gegen 7:18 Uhr MESZ.
Mit einer Helligkeit von etwa 0,3 mag ist Saturn leicht mit bloßem Auge zu erkennen. Er steht im Grenzgebiet zwischen Walfisch und Fischen und wirkt wie ein ruhiger, gelblicher Stern. Sein scheinbarer Äquatordurchmesser beträgt knapp 19,7 Bogensekunden. Das klingt winzig, reicht aber schon in kleinen Teleskopen aus, um die Planetenkugel und das Ringsystem voneinander zu trennen.
Die Ringe erscheinen weiterhin relativ schmal, sind aber wieder etwas weiter geöffnet als im Vorjahr. Das Kosmos Himmelsjahr nennt für den Oktober einen Öffnungswinkel von rund 7,5 Grad. Dadurch ist die Ringstruktur deutlicher zu sehen als während der fast kantenständigen Phase. Schon bei etwa 50- bis 80-facher Vergrößerung hebt sich der Ring klar vom Planeten ab. Mit mittleren Öffnungen und ruhiger Luft lassen sich außerdem der Schatten des Rings auf der Planetenkugel, Helligkeitsunterschiede in der Atmosphäre und möglicherweise die Cassini-Teilung erkennen.
Der hellste Saturnmond Titan ist bereits in kleinen Instrumenten sichtbar. Weitere Monde wie Rhea, Tethys oder Dione benötigen mehr Öffnung und einen klaren Himmel. Fotografisch lässt sich Saturn mit einer Planetenkamera und vielen kurzen Einzelbelichtungen aufnehmen. Entscheidend ist dabei weniger eine extreme Vergrößerung als ruhige Luft. Steht der Planet nur wenig über dem Horizont, verwischt die Atmosphäre feine Einzelheiten; günstiger ist die Zeit um seine Kulmination.
In derselben Himmelsregion steht Neptun. Er hat seine Opposition gerade hinter sich, bleibt also fast die ganze Nacht erreichbar. Mit etwa 7,8 mag ist er jedoch kein Objekt für das bloße Auge. Bereits im Fernglas erscheint er lediglich als schwacher Lichtpunkt; um sein kleines bläuliches Scheibchen zu erkennen, sind ein Teleskop, höhere Vergrößerung und eine genaue Aufsuchkarte erforderlich.
Mars zieht durch die Praesepe
In der Nacht vom 11. auf den 12. Oktober zieht Mars durch den offenen Sternhaufen Praesepe im Sternbild Krebs. Der unter der Katalognummer M 44 bekannte Haufen wird auch Krippe oder Bienenstock genannt. Unter dunklem Himmel ist er bereits mit bloßem Auge als matter Nebelfleck zu erkennen. Im Fernglas löst er sich in zahlreiche Sterne auf.
Mars ist zu dieser Zeit etwa 1,0 mag hell und hebt sich durch seine rötliche Farbe deutlich vom Sternfeld ab. Seine Planetenscheibe misst allerdings nur knapp 5,9 Bogensekunden. Für Beobachter liegt der Reiz deshalb nicht in feinen Marsdetails, sondern im reizvollen Kontrast: Ein heller, rötlicher Planet wandert scheinbar mitten durch einen weit ausgedehnten Sternhaufen.
Die Konstellation eignet sich besonders für Ferngläser und fotografische Aufnahmen mit moderaten Brennweiten. Ein zu kleines Bildfeld würde den Charakter des Haufens verlieren. Wer die Bewegung des Planeten sichtbar machen möchte, kann das Feld an zwei oder drei aufeinanderfolgenden Morgen zur gleichen Uhrzeit aufnehmen. Mars geht am 12. Oktober in Weiden gegen 0:49 Uhr MESZ auf und steigt anschließend bis zur Morgendämmerung höher.
Bereits am 5. Oktober steht die abnehmende Mondsichel in der Nähe von Mars. Am folgenden Morgen begegnet sie Jupiter. Der Riesenplanet geht am 6. Oktober ungefähr um 2:26 Uhr MESZ auf und ist ein auffälliges Objekt der zweiten Nachthälfte. Für detaillierte Beobachtungen verbessert sich seine Stellung im weiteren Verlauf des Herbstes zunehmend.
Vesta als beweglicher Lichtpunkt
Auch unter den Kleinplaneten bietet der Oktober ein lohnendes Ziel. Vesta erreicht am 13. Oktober ihre Opposition und steht im Sternbild Walfisch. Mit ungefähr 6,3 bis 6,4 mag nähert sie sich der theoretischen Sichtbarkeitsgrenze des bloßen Auges. In der Praxis wären dafür jedoch ein außergewöhnlich dunkler Himmel, sehr gute Augen und eine exakt bekannte Position nötig. Für eine zuverlässige Beobachtung ist Vesta daher ein Fernglasobjekt.
Der Lichtpunkt selbst unterscheidet sich nicht von einem schwachen Stern. Erst seine Bewegung vor dem Sternhintergrund verrät, dass es sich um einen Körper des Sonnensystems handelt. Daraus lässt sich ein kleines Beobachtungsprojekt machen: An mehreren Abenden wird das gleiche Sternfeld gezeichnet oder fotografiert. Beim Vergleich der Aufnahmen hat Vesta ihre Position gegenüber den Sternen verändert.
In der Nacht vom 13. auf den 14. Oktober kulminiert Vesta für Weiden etwa um 1:10 Uhr MESZ und erreicht rund 37 Grad Höhe. Eine aktuelle Aufsuchkarte ist unverzichtbar, weil sich ihre Position von Nacht zu Nacht verschiebt. Ebenfalls im Walfisch stehen im Oktober Pallas und der kleinere Planetoid Nausikaa in günstiger Stellung. Beide sind deutlich schwächer als Vesta und eher Ziele für erfahrene Beobachter.
Schnelle Meteore aus Richtung Orion
Von Anfang Oktober bis in die erste Novemberwoche sind die Orioniden aktiv. Ihr Maximum wird in der Nacht vom 21. auf den 22. Oktober erwartet. Die Meteore stammen von Staubteilchen des Halleyschen Kometen, die mit ungefähr 66 Kilometern pro Sekunde in die Erdatmosphäre eintreten. Dadurch wirken viele Orioniden besonders schnell und hinterlassen gelegentlich kurze nachleuchtende Spuren.
Unter idealen Bedingungen liegt die Zenitstundenrate ungefähr bei 20 Meteoren. Dieser Wert beschreibt jedoch eine theoretische Vergleichsgröße bei dunklem Himmel und optimal stehender Ausstrahlungsregion. Die tatsächlich sichtbare Zahl fällt meist geringer aus. Der Radiant liegt nordöstlich von Beteigeuze im Orion und steigt erst im Laufe der Nacht höher. Gute Beobachtungszeiten beginnen deshalb nach Mitternacht.
2026 stört der zunehmende, etwa zu 80 Prozent beleuchtete Mond einen großen Teil der Nacht. Für Weiden geht er am Morgen des 22. Oktober ungefähr um 3 Uhr MESZ unter. Danach bleibt bis zur Morgendämmerung ein vergleichsweise kurzes, aber mondfreies Beobachtungsfenster, während der Radiant bereits günstig steht.
Ein Teleskop ist für Meteore ungeeignet. Benötigt werden ein möglichst dunkler Standort, freie Sicht über einen großen Teil des Himmels, warme Kleidung und Geduld. Der Blick sollte nicht direkt auf den Radianten gerichtet werden, sondern etwa 40 bis 60 Grad davon entfernt. Dort erscheinen die Leuchtspuren länger. Die Draconiden erreichen bereits um den 8./9. Oktober ihr Maximum. Ihre Aktivität schwankt stark; für 2026 ist kein außergewöhnlicher Ausbruch verlässlich vorhergesagt.
NGC 891 – eine Galaxie von der Kante
Während die Andromedagalaxie M 31 zu den bekanntesten Herbstobjekten gehört, bietet NGC 891 ein anspruchsvolleres Ziel. Die Galaxie steht ebenfalls im Sternbild Andromeda und ist ungefähr 30 Millionen Lichtjahre entfernt. Wir sehen ihre flache Scheibe nahezu exakt von der Seite. Auf lang belichteten Aufnahmen durchzieht ein dunkles Staubband die gesamte Galaxie und teilt ihren helleren Zentralbereich scheinbar in zwei Hälften.
NGC 891 besitzt ungefähr den Durchmesser unserer Milchstraße. Auf hochaufgelösten Bildern zeigen sich Staub- und Gasfilamente, die weit über die eigentliche Scheibenebene hinausragen. Solche Strukturen stehen mit Sternentstehung und dem Austausch von Materie zwischen Galaxienscheibe und Halo in Verbindung.
Von der Oberpfalz aus erreicht NGC 891 im Oktober eine ausgezeichnete Höhe. Zur Monatsmitte kulminiert sie ungefähr gegen 2 Uhr MESZ in rund 83 Grad Höhe und steht damit fast im Zenit. Anfang Oktober erfolgt der Meridiandurchgang etwa eine Stunde später, gegen Monatsende entsprechend früher.
Trotz dieser günstigen Position ist NGC 891 visuell kein leichtes Objekt. Ihre Gesamthelligkeit verteilt sich auf eine langgestreckte Fläche. Unter aufgehelltem Himmel verschwindet die Galaxie schnell. Ein dunkler Standort und mittlere bis größere Teleskopöffnung verbessern die Chancen deutlich. Zunächst erscheint meist nur ein schmaler, diffuser Lichtstreifen. Das Staubband verlangt gute Transparenz, indirektes Sehen und Beobachtungserfahrung.
Fotografisch ist NGC 891 dagegen ein reizvolles Herbstmotiv. Längere Gesamtbelichtungszeiten bringen das Staubband und den schwachen äußeren Halo hervor. Ein nicht zu enges Bildfeld zeigt außerdem zahlreiche kleine Hintergrundgalaxien. Gerade dieser Kontrast macht die Aufnahme interessant: Im Vordergrund dominiert die scheinbar schmale Scheibe von NGC 891, während sich dahinter ein viel tieferer Blick in den Kosmos öffnet.
Die weiteren Planeten
Uranus hält sich zwischen Hyaden und Plejaden auf und wird im Laufe des Monats fast die ganze Nacht sichtbar. Unter sehr dunklem Himmel liegt er zwar nahe der Freisichtigkeitsgrenze, für eine sichere Identifikation sind Fernglas und Aufsuchkarte die bessere Wahl. Merkur erreicht am 12. Oktober seine größte östliche Elongation, bleibt von Mitteleuropa aus dennoch praktisch unbeobachtbar. Venus steht am 24. Oktober in unterer Konjunktion und befindet sich zu nahe an der Sonne; von visuellen Aufsuchversuchen ist abzuraten.
Die klaren Prioritäten des Monats liegen damit bei Saturn, Mars vor dem Sternfeld von M 44 und den mondarmen Nächten um Neumond. Wer eine größere Herausforderung sucht, findet mit Vesta und NGC 891 zwei Ziele, bei denen nicht bloße Helligkeit, sondern sorgfältiges Aufsuchen und Beobachten den Reiz ausmachen.
Eigene redaktionelle Gestaltung zu SKYWAY. Grundlage der Informationen: Veröffentlichungen der beteiligten Einrichtungen.
Mit SKYWAY startet ein grenzüberschreitendes Projekt, das Sternwarten, Naturparke und Tourismuspartner aus Bayern und Tschechien zusammenführt. Bis 2029 sollen neue astronomische Angebote und technische Verbesserungen entstehen. Daneben beginnt in Dieterskirchen ein zehnwöchiger Einsteigerkurs. Öffentliche Vorträge und Planetariumsangebote ergänzen das Oktoberprogramm in Ursensollen, Tirschenreuth und Regensburg.
SKYWAY verbindet Sternwarten über die Grenze hinweg
Die Sternfreunde aus Karlsbad, Dieterskirchen und Ursensollen haben sich für das Astrotourismusprojekt SKYWAY zusammengeschlossen. Die Finanzierung im Rahmen des Programms INTERREG Bayern–Tschechien ist bewilligt. Neben den astronomischen Einrichtungen sind unter anderem das Centrum Bavaria Bohemia, das Tourismuszentrum Oberpfälzer Wald sowie die Naturparke Bayerischer Wald und Hirschwald beteiligt.
SKYWAY soll nicht nur einzelne Veranstaltungen miteinander verknüpfen. Vorgesehen ist eine längerfristige Zusammenarbeit bis 2029. Geplant sind gemeinsame Beobachtungsabende, insbesondere zu auffälligen astronomischen Ereignissen wie Sonnen- oder Mondfinsternissen. Jugend- und Schüleraustausch, ein Astrofotografie-Reiseführer, ein Astrodiplom und eine gemeinsame Internetplattform sollen astronomische Bildung und touristische Angebote über die Grenze hinweg verbinden.
Ein zweiter Schwerpunkt liegt auf der Infrastruktur. In Karlsbad soll ein neues Planetarium mit Sternwarte entstehen. Die Planetarien in Dieterskirchen und Ursensollen sollen technisch aufgerüstet werden, auch um künftig mehrsprachige Programme anbieten zu können. In der Gemeinde Ursensollen und im Naturpark Hirschwald ist außerdem ein Planetenwanderweg vorgesehen.
Für die Oberpfalz liegt der mögliche Nutzen vor allem in der Vernetzung. Die beteiligten Einrichtungen besitzen unterschiedliche Schwerpunkte und Erfahrungen. Gemeinsame Programme können Zielgruppen erreichen, die eine einzelne Sternwarte kaum ansprechen würde. Besonders interessant ist die Verbindung praktischer Himmelsbeobachtung mit Bildungsangeboten und grenzüberschreitenden Begegnungen.
Die räumliche Verbindung ist dabei schlüssig: Auf beiden Seiten der Grenze liegen ländliche Regionen, in denen sich abseits größerer Städte vergleichsweise dunkle Beobachtungsplätze finden lassen. Gleichzeitig verfügen Karlsbad und die Oberpfälzer Sternwarten über feste Einrichtungen, mit denen Schlechtwetterprogramme, Vorträge und Planetariumsvorführungen angeboten werden können. Astrotourismus bedeutet in diesem Zusammenhang also nicht nur eine nächtliche Führung, sondern eine Kombination aus Naturerlebnis, astronomischer Bildung und regionaler Zusammenarbeit.
Mehrsprachige Programme könnten die bisherige Hürde zwischen den Einrichtungen verkleinern. Ein gemeinsamer Veranstaltungskalender und eine übersichtliche Internetplattform wären dafür ebenso wichtig wie neue Technik. Ob daraus dauerhaft genutzte Angebote entstehen, wird sich erst in der Umsetzung zeigen. Die Förderung schafft zunächst den organisatorischen und finanziellen Rahmen; sie ersetzt nicht die spätere inhaltliche Arbeit der beteiligten Sternwarten und Vereine.
Bis die angekündigten Baumaßnahmen und Programme umgesetzt sind, bleibt SKYWAY allerdings ein Projekt im Aufbau. Entscheidend wird sein, welche Angebote regelmäßig zugänglich werden und wie die Partner ihre gemeinsame Plattform mit Leben füllen. Die offizielle Veröffentlichung auf der Internetseite der Sternwarte Ursensollen macht nun deutlich, dass die Planungen über die erste interne Projektphase hinausgekommen sind.
In zehn Wochen zum Hobbyastronomen
An der Sternwarte Dieterskirchen beginnt am Mittwoch, dem 7. Oktober, der Kurs „Von 0 auf Hobbyastronom in 10 Wochen“. Das Angebot läuft an zehn Mittwochabenden bis zum 9. Dezember und richtet sich ausdrücklich an Interessierte ohne besondere Vorkenntnisse.
Der Kurs soll einen breiten Einstieg ermöglichen: von der Orientierung am Sternenhimmel über den Umgang mit Teleskopen bis hin zu den Möglichkeiten digitaler Planetarien. Damit geht er über einen einzelnen Beobachtungsabend hinaus. Die Teilnehmer können astronomische Grundlagen schrittweise mit praktischer Erfahrung verbinden und lernen zugleich die Möglichkeiten einer Volkssternwarte kennen.
Gerade für Einsteiger ist diese Reihenfolge sinnvoll. Die Auswahl eines Teleskops wird leichter, wenn zuvor klar ist, welche Objekte beobachtet werden sollen und welche Rolle Standort, Montierung und Vergrößerung spielen. Auch Astrofotografie beginnt nicht mit möglichst großer Technik, sondern mit einer stabilen Nachführung, richtiger Fokussierung und einer realistischen Einschätzung der Belichtungsbedingungen.
Die Teilnahme kostet 33 Euro; Mitgliedern wird die Gebühr nach den Angaben der Sternwarte erstattet. Die Anmeldung erfolgt über die VHS Schwandorf und ist möglich, solange noch Plätze verfügbar sind. Wer mit dem Gedanken spielt, selbst ein Teleskop anzuschaffen oder tiefer in die Astronomie einzusteigen, erhält damit eine Gelegenheit, unterschiedliche Beobachtungs- und Aufnahmetechniken zunächst unter Anleitung kennenzulernen.
Vorträge und Planetarium im Oktober
Die Gerhard-Franz-Volkssternwarte Tirschenreuth widmet sich am 9. Oktober dem James-Webb-Weltraumteleskop. Der Vortrag beginnt um 20 Uhr. Die Veranstaltung findet auch bei bewölktem Himmel statt; eine Beobachtung ist naturgemäß nur bei klarer Sicht möglich. Für den 30. Oktober ist dort der Vortrag „Waren die Amerikaner auf dem Mond?“ angekündigt. Beginn ist ebenfalls um 20 Uhr, eine Anmeldung ist nicht erforderlich.
Am 16. Oktober lädt die KEB Amberg-Sulzbach von 17 bis 18:30 Uhr unter dem Titel „Das Planetarium Ursensollen – Ein Blick zu den Sternen“ nach Ursensollen ein.
Am selben Abend beginnt um 20 Uhr an der Regensburger Sternwarte ein Vortrag von Dr. Michael Hedenus über Sternbilder, Sternnamen und Größenklassen.
Der Regensburger Vortrag greift ein Thema auf, das selbst erfahrenen Beobachtern im Alltag begegnet: Historisch überlieferte Sternnamen stehen neben modernen Katalogbezeichnungen, und die astronomische Größenklasse folgt einer Skala, auf der kleinere Zahlen hellere Objekte bedeuten.
Das Ursensollener Angebot richtet den Blick dagegen stärker auf die Vermittlungsarbeit eines Planetariums und darauf, wie sich der aktuelle Himmel unabhängig vom Wetter erklären lässt.
Hubble-Beobachtungen zeigen eine zehneckige Wellenstruktur über Saturns Südpol. Bild: NASA, ESA, STScI, A. Sánchez-Lavega (University of the Basque Country), A. Simon (NASA-GSFC), M. Wong (UC Berkeley); Bildverarbeitung: A. Pagan (STScI). Lizenz: CC BY 4.0. Quelle: NASA/Hubble.
Ein neues Wellenmuster über Saturns Südpol verbindet die Beobachtungen von Amateurastronomen mit Hubble-Daten. Weiter draußen im Sonnensystem fanden Hubble und Webb 27 kleine transneptunische Objekte. Andere Studien untersuchen, wie häufig Magnetare entstehen, welche frühen Verschmelzungen die Milchstraße geprägt haben und wie ein verdrehtes Magnetfeld den Ausfluss eines jungen Sternsystems formt. Gemeinsam zeigen die Ergebnisse, wie Beobachtung, Modellierung und statistische Auswertung einander ergänzen.
Ein Zehneck über Saturns Südpol
Saturn ist für sein sechseckiges Strömungsmuster am Nordpol bekannt. Nun haben Forschende am Südpol eine weitere ungewöhnliche Struktur identifiziert: eine atmosphärische Welle mit zehn Seiten. Das Muster ist keine feste Wolkenwand, sondern eine großräumige Verformung einer Strömungszone, die sich über mehrere Höhenbereiche der Atmosphäre verfolgen lässt.
Die Untersuchung stützt sich vor allem auf Aufnahmen des Hubble-Weltraumteleskops aus dem Programm OPAL, das die Atmosphären der äußeren Planeten regelmäßig beobachtet. In Daten seit 2023 lassen sich erste Anzeichen erkennen. Bis 2025 trat die zehneckige Form deutlicher hervor. Einen wichtigen Anstoß lieferten bodengebundene Aufnahmen: Amateurastronomen Trevor Barry und Jean-Paul Oger hatten 2024 eine schwache wellenartige Struktur bemerkt und ihre Bilder zur weiteren Untersuchung bereitgestellt.
Der Beitrag der Amateurbeobachter bestand nicht darin, die gesamte dreidimensionale Struktur allein nachzuweisen. Ihre über längere Zeit aufgenommenen Planetenbilder machten vielmehr auf eine Veränderung aufmerksam. Hubble bestätigte das Muster anschließend mit höherer räumlicher Auflösung und Beobachtungen in mehreren Wellenlängen und verfolgte es bis in ältere Daten zurück. Gerade bei den Planetenatmosphären sind solche zeitlich dichten Beobachtungsreihen wertvoll, weil professionelle Großteleskope nicht jede Wetterentwicklung kontinuierlich verfolgen können.
Ob das Südpol-Zehneck nach einem ähnlichen Mechanismus entsteht wie Saturns Nordpol-Hexagon, ist offen. Beide Strukturen stehen mit schnellen atmosphärischen Strömungen und eingebetteten Wellen in Verbindung. Die unterschiedliche Zahl der Seiten bedeutet jedoch nicht automatisch, dass lediglich eine leicht veränderte Variante desselben Vorgangs vorliegt. Auch die Lebensdauer des neuen Musters ist noch unbekannt.
Weitere Hubble-Beobachtungen sollen zeigen, ob sich das Zehneck stabilisiert, verlagert oder wieder auflöst. Saturns Jahreszeiten dauern wegen seiner langen Umlaufzeit viele Erdenjahre. Veränderungen der Sonneneinstrahlung können deshalb über lange Zeiträume Einfluss auf Temperatur, Wind und Wolkenbildung nehmen. Die Opposition im Oktober macht Saturn zwar besonders gut beobachtbar; das Südpolmuster selbst bleibt jedoch weit unterhalb dessen, was Amateurinstrumente räumlich auflösen können. Amateuraufnahmen können stattdessen großräumige Helligkeits- und Strömungsveränderungen dokumentieren.
Kleine Körper mit langem Gedächtnis
Jenseits der Neptunbahn umkreisen zahlreiche eisige Körper die Sonne. Viele sind so klein und lichtschwach, dass sie selbst auf tiefen Aufnahmen kaum auffallen. Durch die gemeinsame Auswertung von Hubble-Bildern im sichtbaren Licht und Infrarotdaten des James-Webb-Weltraumteleskops wurden nun 27 zuvor unbekannte transneptunische Objekte identifiziert.
Die Kombination beider Teleskope liefert mehr als eine reine Zählung. Aus den sichtbaren und infraroten Helligkeiten lassen sich Farben ableiten, die Hinweise auf Oberflächenmaterial und Entwicklung geben. Die beobachtete Bewegung vor dem Hintergrund ferner Sterne ermöglicht eine Eingrenzung der Bahnen. Aus Helligkeit und Modellannahmen über das Rückstrahlvermögen werden Größen geschätzt. Das kleinste gefundene Objekt dürfte nur ungefähr fünf Kilometer messen.
Die Untersuchungen ergaben weniger kleine Körper, als manche Modelle der Planetenentstehung erwarten lassen. Das bedeutet nicht, dass die gängigen Vorstellungen vom frühen Sonnensystem insgesamt widerlegt sind. Größenverteilungen hängen davon ab, wie häufig kleinere Planetesimale zusammenstoßen, zerbrechen oder zu größeren Körpern anwachsen. Außerdem müssen die Nachweisgrenzen der Beobachtung berücksichtigt werden. Die gemessene Verteilung liefert damit einen neuen Test für bestimmte Modellvarianten.
Gerade bei einer Stichprobe von 27 Objekten bleibt die statistische Einordnung anspruchsvoll. Sehr kleine und dunkle Körper werden leichter übersehen als größere oder stärker reflektierende. Die Forschenden müssen deshalb bestimmen, mit welcher Wahrscheinlichkeit ein Objekt bestimmter Helligkeit und Bewegung in den vorhandenen Bildern entdeckt worden wäre. Erst nach dieser Korrektur lässt sich die beobachtete Zahl sinnvoll mit einer theoretischen Population vergleichen.
Transneptunische Objekte gelten als vergleichsweise wenig veränderte Überreste aus der Entstehungszeit des Sonnensystems. Ihre heutigen Bahnen wurden zwar durch die Wanderung der großen Planeten und gegenseitige Störungen beeinflusst. Dennoch bewahren ihre Größen und Oberflächeneigenschaften Informationen über die ursprüngliche Population kleiner Bausteine. Die beiden veröffentlichten Arbeiten untersuchen deshalb sowohl die Größenverteilung als auch Farb- und Populationseigenschaften.
Besonders wichtig ist die methodische Reichweite: Hubble und Webb wurden nicht eingesetzt, um spektakuläre Einzelbilder eines fünf Kilometer großen Körpers zu erzeugen. Die Objekte erscheinen als extrem schwache, wandernde Lichtpunkte. Erst sorgfältige Bildverarbeitung, wiederholte Messungen und statistische Auswertung machen aus diesen Punkten Aussagen über die Frühgeschichte des Sonnensystems.
Sind Magnetare viel häufiger als gedacht?
Magnetare sind Neutronensterne mit außerordentlich starken Magnetfeldern. Sie entstehen nach dem Kollaps massereicher Sterne und können heftige Röntgen- und Gammastrahlenausbrüche erzeugen. Beobachtet ist bislang nur ein kleiner Teil der vermuteten galaktischen Population. Eine neue Studie kommt nun zu dem Ergebnis, dass im Mittel ungefähr die Hälfte der bei Kernkollaps-Supernovae entstehenden Neutronensterne zunächst Magnetare sein könnte.
Diese Zahl ist keine direkte Zählung. Die Forschenden entwickelten eine Populationssynthese, in der verschiedene Typen isolierter Neutronensterne gemeinsam beschrieben werden. Das Modell berücksichtigt ihre räumliche Verteilung in der Milchstraße, die Entwicklung ihrer Rotation, das Abkühlen und den zeitlichen Zerfall ihrer Magnetfelder. Hinzu kommen Beobachtungseffekte: Ein Neutronenstern kann vorhanden sein, ohne mit heutigen Instrumenten als Magnetar erkannt zu werden.
Anschließend wurde geprüft, welche Kombination von Geburtsraten und Entwicklungspfaden die beobachteten Populationen am besten reproduziert. Das bevorzugte Modell erreicht einen Magnetaranteil von ungefähr 50 Prozent. Der Wert ist daher modellabhängig und besitzt Unsicherheiten. Er darf nicht als Beleg dafür verstanden werden, dass bei jeder zweiten bislang beobachteten Supernova unmittelbar ein Magnetar nachgewiesen worden wäre.
Sollte ein hoher Anteil bestätigt werden, hätte dies Folgen für mehrere energiereiche Phänomene. Magnetare werden als mögliche Quellen zumindest eines Teils der schnellen Radioblitze diskutiert. Junge, rasch rotierende Magnetare könnten außerdem bestimmte Gammastrahlenausbrüche oder außergewöhnlich leuchtkräftige Supernovae antreiben. Die Studie zeigt, dass solche Erklärungen nicht zwingend eine extrem seltene Geburtsklasse voraussetzen müssten.
Offen bleibt, wie stark die Ergebnisse von Annahmen über Magnetfeldentwicklung, Anfangsrotation und galaktische Supernovarate abhängen. Künftige Röntgen- und Radiodurchmusterungen können zusätzliche Neutronensterne finden und damit die Modellpopulation weiter eingrenzen.
Hinzu kommt ein zeitlicher Auswahleffekt: Ein sehr junger Magnetar kann durch starke Ausbrüche auffallen, während ein älteres Objekt nach dem Abklingen seiner Aktivität schwer von anderen Neutronensternen zu unterscheiden ist. Die heute katalogisierten Magnetare bilden deshalb wahrscheinlich keine vollständige oder gleichmäßig ausgewählte Stichprobe. Genau diese Lücke versucht die Populationssynthese rechnerisch zu berücksichtigen.
Eine ältere Verschmelzung in der Milchstraße
Die Milchstraße ist nicht als abgeschlossenes System entstanden. Im Laufe ihrer Geschichte nahm sie kleinere Galaxien auf. Sterne und Kugelsternhaufen dieser Vorläufer verteilen sich heute im Halo und im inneren Bereich der Galaxis. Ihre Herkunft lässt sich nicht an einem einzelnen Bild ablesen, sondern muss aus Alter, chemischer Zusammensetzung und Bewegung rekonstruiert werden.
Eine neue Untersuchung verbindet homogene Altersbestimmungen für insgesamt 39 Kugelsternhaufen. 17 innere Haufen wurden dafür neu analysiert und mit bereits vermessenen Objekten zusammengeführt. Die Forschenden verglichen Alter und Metallgehalt und bezogen dynamische Informationen über die Bahnen der Haufen ein.
Eine Bayes-Analyse prüfte, wie viele unterschiedliche Vorläuferpopulationen nötig sind, um die Verteilung zu erklären. Ein Modell mit drei Gruppen wird gegenüber einer Aufteilung in nur zwei Populationen deutlich bevorzugt. Die zusätzliche Gruppe wird als Überrest eines bislang nicht klar abgegrenzten Verschmelzungsereignisses interpretiert. Das rekonstruierte Vorläufersystem erhielt die Bezeichnung Low-energy-Kraken-Heracles.
„Bayes-Analyse“ bedeutet hier, dass verschiedene Herkunftsmodelle anhand der Messdaten gegeneinander gewichtet werden. Ein bevorzugtes Modell ist nicht automatisch die einzig mögliche historische Erklärung. Es zeigt vielmehr, welche Annahmen die Kombination aus Alter, Metallgehalt und Dynamik derzeit am besten beschreiben. Zusätzliche Haufen oder verbesserte Altersmessungen können dieses Verhältnis künftig verändern.
Nach dem bevorzugten Modell verschmolz dieses System rund 1,8 Milliarden Jahre vor dem bekannten Ereignis Gaia-Sausage-Enceladus mit der jungen Milchstraße. Seine damalige Sternmasse wird auf ungefähr 500 Millionen Sonnenmassen geschätzt. Ein großer Teil des Materials dürfte im inneren Bereich der Galaxis abgelagert worden sein.
Die zeitliche Einordnung ist kein direkt beobachteter historischer Zeitpunkt. Sie folgt aus den Altersmessungen der Kugelsternhaufen und einem statistischen Entwicklungsmodell. Absolute Altersangaben hängen zudem von der verwendeten Skala ab. Deshalb ist die relative Aussage – etwa 1,8 Milliarden Jahre vor Gaia-Sausage-Enceladus – belastbarer als eine auf wenige hundert Millionen Jahre genau klingende Datierung.
Kugelsternhaufen sind auch für Amateure vertraute Beobachtungsobjekte. Die untersuchten Gruppen lassen sich am Okular jedoch nicht nach Herkunft unterscheiden. Erst präzise Hubble-Photometrie, Spektren und Bewegungsdaten verwandeln die Haufen in fossile Zeugen der galaktischen Entwicklung.
Ein verdrehtes Magnetfeld im Protostern-Ausfluss
Das junge System NGC 1333 IRAS 4A liegt in einer dichten Sternentstehungsregion. Es besteht aus zwei Protosternen, die noch Materie aus ihrer Umgebung aufnehmen. Gleichzeitig treiben junge Sterne schnelle Ausflüsse nach außen. Seit Jahrzehnten sagen Modelle voraus, dass Magnetfelder diese Ströme bündeln und formen können.
Mit dem Radioteleskopverbund ALMA wurde nun die schwache Polarisation von Kohlenmonoxidgas in der Umgebung von IRAS 4A untersucht. Aus Richtung und Stärke dieser Polarisation rekonstruierten die Forschenden die Magnetfeldgeometrie auf Skalen von mehreren hundert Astronomischen Einheiten. Das Ergebnis zeigt ein überwiegend toroidales Feld: Die Feldstruktur legt sich ring- oder spulenförmig um die Ausflussachse.
ALMA fotografiert dabei keine Magnetfeldlinien unmittelbar. Die Ausrichtung der schwachen, linear polarisierten Kohlenmonoxidstrahlung hängt über Prozesse des Strahlungstransports mit der Magnetfeldgeometrie zusammen. Erst aus diesem Signal, seiner räumlichen Verteilung und physikalischen Modellen werden Richtung und Stärke des Feldes abgeleitet. Die ermittelte Feldstärke liegt in der Größenordnung weniger Milligauss.
Die toroidale Geometrie stimmt mit theoretischen Vorstellungen überein, nach denen die Rotation des jungen Systems ein ursprünglich anders ausgerichtetes Magnetfeld aufwickelt. Das verdrehte Feld kann Drehimpuls transportieren und dazu beitragen, den Ausfluss zu bündeln. Die Beobachtung liefert damit eine besonders hochaufgelöste Bestätigung eines lange vorhergesagten Musters.
Auch hier muss zwischen Messung und Interpretation unterschieden werden. Gemessen wurde die Polarisation bestimmter Moleküle; daraus wurde die Feldstruktur rekonstruiert. Der Vergleich mit Modellen zeigt eine starke Übereinstimmung, beweist aber nicht, dass sämtliche Details protostellarer Ausflüsse allein durch diesen Mechanismus erklärt sind. Weitere Beobachtungen anderer junger Systeme müssen zeigen, wie häufig solche toroidalen Felder vorkommen.
Saturn lässt sich im Oktober bereits mit einem kleinen Teleskop selbst beobachten. Die übrigen Ergebnisse erschließen Bereiche, für die Weltraumteleskope, Radiointerferometrie und statistische Modelle nötig sind. Gemeinsam zeigen sie, wie aus Lichtpunkten, schwacher Polarisation und langjährigen Bildserien Aussagen über Atmosphären, Sternentstehung und die Geschichte ganzer Galaxien entstehen.
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